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Ausstellungsbeteiligung Mai 2022 bis Mitte 2023 in Legnica/Polen. Wanderausstellung zum Thema „Touch“ mit zwei Arbeiten:

"The Inner of Words",
Comicsprechblase aus Silber, gefüllt.
"o. T".., Lammfell im Silberbett

Das Porträt: Dagmar Jacobsen, Schäferin und Schmuckdesignerin
über ihre Berufe und deren Gemeinsamkeiten

ANDREA GROTHEER,  02.04.2022, Weser-Kurier
Rechtenfleth. Schäferin und Schmuckdesignerin – Dagmar Jacobsen ist beides. Was auf den ersten Blick unvereinbar erscheint, bietet dennoch Parallelen. Wie sie diese beiden Berufe, die für sie auch Berufungen sind, zusammenbringt, hat die Rechtenfletherin jetzt erzählt. „Ich war schon immer naturverbunden“, sagt Dagmar Jacobsen. Vor 15 Jahren hat ihr Weg sie gemeinsam mit Ehemann Jörg Studer und der heute erwachsenen Tochter nach Rechtenfleth geführt. Die Deichschäferei, die sich um den Deich vom Sandstedter Fähranleger bis an die Bremerhavener Landesgrenze kümmert, stand damals zur Disposition. „Nach einem Bewerbungsverfahren haben wir die Zusage bekommen und den Betrieb gepachtet“, berichtet die 58-Jährige. Heute kümmert sich das Ehepaar im Auftrag des Deichverbandes Osterstader Marsch um 750 Mutterschafe und aktuell 400 Lämmer, die dem Deichschutz dienen. Auch ein Herdenschutzhund und drei Border Collies, die als Hütehunde eingesetzt werden, gehören zum Hof.
„Die Beweidung trägt ganz viel zur Deichsicherheit bei. Eine geschlossene Grasnarbe bietet wenig Angriffsfläche für das Wasser“, erklärt Dagmar Jacobsen den Hintergrund der Arbeit. Und günstiger als Deichpflege mit Maschinen sei die Schafhaltung auch, fügt sie schmunzelnd hinzu. Ihren Beruf hat die gebürtige Verdenerin mit dänischen Wurzeln von der Pike auf erlernt, sie ist ausgebildete Tierwirtin mit Schwerpunkt Schafhaltung. Doch nach dem Abitur und einem freiwilligen sozialen Jahr in der Altenpsychiatrie, bei der auch Kunsttherapie eine Rolle spielte, zog es sie zunächst in das kreative Handwerkt: „In Pforzheim und Mannheim habe ich Goldschmiedin gelernt und nach meiner Ausbildung eine Stelle in Kiel angenommen“, erzählt Dagmar Jacobsen.
Über eine Freundin erfuhr sie von einer Stellenanzeige, in der die Ausbildung zur Tierwirtin in Rendsburg angeboten wurde und entschied sich – nach einem Praktikum in einer Hüteschäferei in Baden-Baden – für den Richtungswechsel. Nach drei Jahren Ausbildung folgte die Abschlussprüfung, bei der Dagmar Jacobsen ihren Ehemann Jörg Studer kennenlernte, ebenfalls ausgebildeter Tierwirt mit Fachrichtung Schafhaltung. Im Anschluss an eine erste gemeinsame Station in der Lüneburger Heide ging es nach Rechtenfleth in der Gemeinde Hagen im Bremischen. Idyllisch hinter dem Deich gelegen sind Stallungen und Wohnhaus. Wenn nicht gerade Trecker das angeschwemmte Treibsel vom Deich abtransportieren, hört man hier nur das aus dem Stall dringende Mähen der Lämmer.
Im Frühling liegt eine anstrengende Zeit hinter den Deichschäfern, das Lammen erfordert oft auch nächtlichen Einsatz. Doch mittlerweile kommen auch die Letztgeborenen gut alleine zurecht und für Dagmar Jacobsen bleibt wieder mehr Zeit für ihre zweite Leidenschaft, die Schmuckherstellung. Bis zum Januar letzten Jahres hat sie, neben ihrem Einsatz in der Deichschäferei, in Teilzeit als angestellte Goldschmiedin in Bremerhaven gearbeitet. Dann entschied sie sich für die Selbstständigkeit auch in diesem Bereich. Die zeitliche Vereinbarkeit mit der Schäferei sei immer schwierig gewesen: „Vieles ist vom Wetter und den Gegebenheiten am Deich abhängig und nicht exakt planbar“, erklärt sie. Wenn Zeit ist, sitzt sie an ihrem Werktisch und widmet sich ihrer Kreativität. „In beiden Berufen kann man ganz bei sich sein“, beschreibt sie die Gemeinsamkeit ihrer Tätigkeiten. „Ich könnte weder das eine noch das andere in Gänze machen, es ergänzt sich einfach wahnsinnig gut“, sagt Dagmar Jacobsen. Zeitmäßig sei sie jedoch mehr im Betrieb als am Werkbrett.
Ideen für ihre Werkstücke kämen ihr oft bei den täglichen Hundespaziergängen. „Ich arbeite in erster Linie große Schmuckanhänger, die ein hohes Maß an Gestaltung zulassen“, beschreibt sie ihre Arbeiten, für die sie vorwiegend recyceltes 925er Silber, aber auch fair gefördertes und gehandeltes Gold verwendet. „Der Nachhaltigkeitsaspekt spielt für mich generell eine große Rolle. Ich mag Edelsteine, besonders mit Einschlüssen, die für viele als minderwertig gelten. Für mich ist gerade in diesen Steinen ganz viel Leben“, so die Schmuckdesignerin. In ihren Werken, die schon mal an die Grenze des Tragbaren gingen, lasse sie ein hohes Maß an Gestaltung zu und arbeite nicht rein nach Schönheit.
Gerade die Vergangenheit der zu verarbeitenden Dinge, zu denen auch Sammelgut wie Eisenstücke oder kleine Knochen gehören können, sei ihr wichtig und inspiriere sie: „Alles hat schon eine Geschichte gehabt, ich füge es zusammen“, beschreibt sie ihre Kunst. Dabei spiele das Handwerk für sie ebenso eine große Rolle. In den letzten Monaten hat Dagmar Jacobsen ein Werkbuch mit den von ihr gearbeiteten Schmuckstücken erstellt, darunter Amulette mit Namen wie Forscherin, Lichtfängerin oder Himmel zu Erde. Auf Gut Sandbeck in Osterholz-Scharmbeck wird sie im Spätsommer nächsten Jahres gemeinsam mit einem Maler eine Ausstellung des Kunstvereins Osterholz-Scharmbeck, in dem sie auch Mitglied ist, gestalten. Und an einer Aktion der Gemeinde Worpswede, bei der Kunstobjekte im Rahmen der Ukraine-Flüchtlingshilfe versteigert werden sollen, ist Dagmar Jacobsen ebenfalls beteiligt.
In der Schäferei folgt, je nach Aufwuchs, im April der Austrieb der Schafe. Dieses Jahr gibt es ein Novum für die Deichschäferei: „Wir werden die Lämmer das erste Mal nicht an den Deich lassen“, sagt Dagmar Jacobsen. Das Schreien der Lämmer, über das die Tiere mit ihren Müttern akustisch in Kontakt bleiben, berge Gefahrenpotential und könne den in der Region lebenden Wolf erst recht anlocken. Auch diese Überlegungen gehören inzwischen zur Realität der Deichschäferei.
Informationen über das Schmuckdesign von Dagmar Jacobsen gibt es unter www.dagmar-silber-werk.de.